Medizinischer Fachbereich

Kleine Brennnessel

Name: Urtica urens L.

Botanische Familie: Brennnesselgewächse (Urticaceae)

Vorkommen: Die Kleine Brennnessel ist nahezu weltweit verbreitet- in den Tropen und der Polarregion hält man vergebens nach ihr Ausschau.

Trotz ihrer aggressiven Geste ist sie ein Menschenfreund und siedelt sich gerne in Menschennähe an. Man findet sie häufig an Wegrändern, Schuttplätzen, in der Nähe von Höfen und Siedlungen. Sie bevorzugt nährstoff- und stickstoffreiche Böden mit hohem Eisengehalt. Überschüssigen Stickstoff vermag sie aufzunehmen und daraus Eiweißverbindungen zu bilden. Durch ihren Eiweißgehalt ist die Brennnessel eine beliebte Nahrungsquelle für viele Raupen und weitere Insekten.

Beschreibung: Die einjährige Kleine Brennnessel erreicht in der Regel eine Höhe von 15 bis 45 cm. Aus der gelblich-weißen Wurzel entspringt der meist unverzweigte, selten schon von Grund an verästelte Stängel. Der aufrechte, vierkantige Stängel ist nach allen Seiten dicht mit Brennhaaren besetzt, die waagrecht abstehen. Auch die Blätter, sowie Kelchblätter sind mit Brennhaaren besetzt, deren Spitze bei Berührung abbricht und den aggressiven Inhalt freigibt. So schützt sich die Pflanze wirksam vor Fraßfeinden. Die hellgrünen, kreuzweise-gegenständig angeordneten Blätter sind eingeschnitten gesägt und nicht so spitz zulaufend, wie die Blätter ihrer großen Schwester, der Großen Brennnessel. Die Kleine Brennnessel ist, anders als die Große Brennnessel, einhäusig, d.h. es finden sich auf einer Ähre sowohl männliche als auch weibliche Blüten. Aus den kleinen, unscheinbaren, grünlichen Blüten entwickeln sich gelbgrün glänzende Nüsschen. Die vornehmliche Blütezeit der Kleinen Brennnessel liegt zwischen Mai und September.

Die glasartigen Brennhaare, die zu starren Gebilden geformt sind, enthalten neben etwas Ameisensäure auch Acetylcholin und Histamin, die für die charakteristischen Hautreaktionen verantwortlich sind.

Verwendete Pflanzenteile: Verwendet werden Blätter (Folium), Kraut (Herba), Wurzel (Radix), sowie die ganze Pflanze (Planta tota)

Inhaltsstoffe: Brennhaare: Ameisensäure, Histamin, Acetylcholin, Serotonin

Blätter und Kraut: Flavonoide, Chlorophylle, Carotinoide, Spurenelemente und Mineralstoffe (Eisen, Kalium)

Wurzel: Lektine, Lignane, Polysaccharide, Eiweißverbindungen, Sterole, Gerbstoffe

Wirkung: diuretisch, analgetisch, lokalanästhetisch, Hemmung der Sekretion von TNF-α und Interleukin-1β

Wurzel: Hemmung der Prostata-Aromatase und 5-α-Reduktase

Historisches: Die Brennnessel wird seit alters her als Heil- und Kulturpflanze geschätzt- egal, ob der griechische Arzt Dioscurides, Hildegard von Bingen oder Kneipp, alle hielten große Stücke auf sie. Der römische Dichter Ovid wusste um ihre heilsame Wirkung und widmete ihr unter anderem ein Gedicht, nachdem Brennnesselsud ihn von einer Erkältung befreit hatte. Auch mit „feuriger Liebe“ wurde die Brennnessel häufig in Verbindung gebracht und ihr Einsatz als Aphrodisiakum gelobt.

Medizinische Verwendung: Während sie in Hof und Garten oft wenig geschätzt wird, so kommt sie doch als Heilpflanze zu ihrem Ruhm.

Nach Kommission D wird sie bei nesselsuchtartigen Hauterkrankungen, Nierenleiden und Gicht eingesetzt.

Die Kommission E nennt als Anwendungsgebiete für das Kraut und die Blätter die unterstützende Behandlung rheumatischer Beschwerden, die Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, sowie die Durchspülung zur Vorbeugung und Behandlung von Nierengrieß.

Für die Wurzel zählen nach Kommission E Miktionsbeschwerden bei Prostataadenom Stadium I bis II zu den Indikationen.

Neben den genannten Indikationen wird sie volksmedizinisch auch bei Leber- und Gallebeschwerden, Hauterkrankungen im Allgemeinen oder als Haarwuchsmittel eingesetzt. Auch bei Arthrose und Arthritis soll sie Linderung verschaffen.

Brennnessel in der Anthroposophischen Medizin: Ihr optisch unscheinbares Auftreten täuscht. Sie ist ein wehrhafter „Kämpfer“, was sich nicht zuletzt in ihrer besonderen Beziehung zu Eisen zeigt und ihre „eiserne“ Kraft erklärbar macht. Und auch wenn man sie nicht gleich sieht, bei Berührung wird man sich ihrer sofort bewusst- sie schafft es in Sekundenschnelle Bewusstsein zu schaffen.

Betrachtet man ihren Standort näher, so stellt man fest, dass sie häufig dort zu finden ist, wo Altes, Abgelagertes wieder in den Organismus integriert werden soll, wie zum Beispiel auf Schutthalden, Brach- und Kompostflächen. Hier gelingt es ihr guten Boden zu generieren.

Ebenso schafft sie es pharmazeutisch aufbereitet Form- und Regenerationsprozesse anzustoßen. Extrakte aus der Kleinen Brennnessel lindern Hitzeschmerz und regulieren entzündliche Prozesse. Aufgrund dieser Eigenschaften werden Auszüge der Kleinen Brennnessel in Arzneimitteln gegen Sonnenbrand, leichte Verbrennungen oder Insektenstiche eingesetzt.

Die Kleine Brennnessel bei Weleda: Urtica urens wird im weleda eigenen Heilpflanzengarten angebaut, der nach den Richtlinien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft bewirtschaftet wird. Geerntet und erntefrisch in der nahegelegenen Tinkturenherstellung zu wertvollen Arzneimitteln weiterverarbeitet, werden sowohl die ganze Pflanze (Planta tota), als auch das blühende Kraut (Herba).