Medizinischer Fachbereich

Wasserdost

Name: Eupatorium perfoliatum L.

Synonyme: Durchwachsener Wasserdost, Amerikanischer Wasserdost, Durchwachsener Wasserhanf, Fieberkraut, Knochenkraut

Name: Der deutsche Name Wasserdost weist auf den Flüssigkeitsbezug und die Vorliebe für feuchte Standorte hin. Die Bezeichnung „Dost“ leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen „doste“ ab. Es bedeutet so viel wie Büschel, Dolde, Strauß und bezieht sich damit auf die büscheligen Blütenstände der Pflanze.

Es wird vermutet, dass sich der lateinische Gattungsname Eupatorium an den antiken König von Pontos Mithridates VI Eupator anlehnt. Der Artname „perfoliatum“ setzt sich aus dem Lateinischen per = durch, hindurch und foliatum = blättrig zusammen und steht im übertragenen Sinne für „durchwachsen“.

Familie: Asteraceae / Korbblütler

Vorkommen: Ursprünglich in Nordamerika, vor allem USA und Kanada beheimatet, heute auch in Europa anzutreffen. Feuchtigkeitsliebend, bevorzugt feucht-sumpfige Standorte in tieferen, gemäßigten Lagen, an Bachläufen, Uferregionen, Auwäldern und Sumpfgebieten. Die Gattung Eupatorium umfasst 45 Arten, wovon ursprünglich lediglich eine Art (Eupatorium cannabinum) in Europa heimisch ist.

Beschreibung: Der durchwachsene Wasserdost liebt feuchte Standorte und zeigt sich deswegen an Orten, an denen er sich wohlfühlt, und genug Feuchtigkeit bekommt, mit kräftigem Wuchs und einer beeindruckenden Höhe von bis zu 150 cm. Mit Trockenheit kann die mehrjährige Heilpflanze nicht gut umgehen, gedeiht deutlich schlechter und duftet weniger. “Durchwachsen“ wirkt sie in der Tat - ihr aufrechter, behaarter Stengel scheint durch die am Grund verwachsenen Blätter hindurchzuwachsen. Die lanzettlichen, festen Blätter sind gleichmäßig, kreuzgegenständig am Stengel angeordnet. Sie weisen einen ausgeprägten Mittelnerv auf.

Nach oben hin teilt sich die Pflanze in mehrere Stengel, welche mit je einem weißen, schwach duftenden Blütenkörbchen abschließen. Wasserdost blüht von Juli bis in den Oktober hinein, nach der Blüte bilden sich die kleinen nussähnlichen Schließfrüchte mit Pappus, die mit dem Wind davongetragen werden.

Verwendete Pflanzenteile: Blühendes Kraut, d.h. die oberirdischen Teile der Pflanze zu Beginn der Blütezeit

Inhaltsstoffe: Flavonoide, z.B. Eupatorin, Sesquiterpenlactone, wie Euperfolid, Eufoliatorin, Polysaccharide, wenig ätherisches Öl, Harz, Gerbstoffe

Wirkung: Eupatorium perfoliatum lindert Symptome eines grippalen Infekts, wie Muskel- und Knochenschmerzen und ausgeprägtes Zerschlagenheitsgefühl. Neben einer entzündungshemmenden Wirkung, zeigt die Heilpflanze auch diaphoretische Effekte. Für Wasserdost wurden zusätzlich antivirale Wirkungen nachgewiesen.*

Kommission D nennt als Anwendungsgebiete Grippe, grippeähnliche fieberhafte Erkrankungen, fieberhafte Erkrankungen des Leber-Galle-Systems; Rheumatismus.

Historisches: Eupatorium perfoliatum zählte früher zu den am häufigsten verwendeten Heilpflanzen Amerikas. Bereits die Ureinwohner und später auch die Siedler wussten seine heilende Wirkung zu schätzen und setzten die Pflanze als schweißtreibendes Mittel bei fieberhaften Erkrankungen und Erkältung ein. Auch als Antirheumatikum wurde es traditionell verwendet.

Pflanze in der Anthroposophischen Medizin: Vom Wässrigen zum Luftigen, so präsentiert sich der Wasserdost, der nach oben hin immer luftiger wird. Der besondere Bezug zum Flüssigen zeichnet diese Heilpflanze aus und auch in der Anthroposophischen Medizin ist die regulierende Wirkung auf den Flüssigkeitsorganismus von Bedeutung. Sie wirkt schweißtreibend, schleimlösend und fördert die Flüssigkeitsabgabe nach außen. Sind die Atmungsorgane durch einen grippalen Infekt geschwächt und drohen zu „versumpfen“, wirkt Eupatorium regulierend und hilft dem Organismus das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Pflanze bei Weleda: Eupatorium perfoliatum wird im Weleda Heilpflanzengarten angebaut, welcher nach den Richtlinien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft bewirtschaftet wird. Geerntet wird das blühende Kraut, das in der nahegelegenen Tinkturenherstellung weiterverarbeitet wird.

*Derksen A et al. Journal of Ethnopharmacology 188 (2016)144–152

Bild: Anita Menger by pixaby free pics