Medizinischer Fachbereich

Passionsblume

Name: Passiflora incarnata L.

Familie: Passifloraceae, Passionsblumengewächse

Heimat: Die Passionsblume ist in Mittel- und Südamerika sowie Ostindien heimisch.

Beschreibung: Die ausdauernde Passionsblume gehört zur Familie der Passionsblumengewächse und ist eine Kletterpflanze. Ihre zarten, schwach gerillten, kahlen Stängel können zwischen 5 und 8, maximal 10 m lang werden. Der bei jüngeren Pflanzen grüne Stängel kann bei älteren Exemplaren verholzen.

Aus dem Stängel sprießen im wechselständigen Rhythmus tief dreilappige Blätter. Die Blattränder der lanzettlichen Lappen sind fein gesägt. Am Übergang vom Blattstiel zum Blatt befinden sich 2 extraflorale Nektardrüsen. Die Blüten von Passiflora incarnata sind gestielt. In ihrer vollen Blüte können sie einen Durchmesser von bis zu 8 cm aufweisen.

Die hellgrünen, eiförmigen Kelchblätter sind am Grund verwachsen. Die außergewöhnliche Blüte besteht aus zart violetten Kronblättern. Die Nebenkrone setzt sich aus zahlreichen gewellten, feinen Fäden zusammen.
Die Fäden sind von der Blüte ausgehend weiß von einem dunklen Rand unterbrochen und werden zur Peripherie hin violett.

Aus dem Zentrum entspringt der Fruchtknoten mit drei kräftigen Griffeln, konzentrisch umgeben von 5 Staubblättern. So schön die Blüte ist, so vergänglich ist sie auch. Nach nur einem Tag schließt sich die Blüte wieder und beginnt mit der Fruchtbildung.

Verwendete Pflanzenteile: Flos (Blüte) und Herba (Kraut)

Inhaltsstoffe: Bis zu 2,5 % Flavonoide z. B. Maltol mit Weißdorn-ähnlicher, das Herz unterstützender Wirkung, Cumarine, Spuren von ätherischem Öl und cyanogenen Glykosiden.

Wirkung: Die Passionsblume vereint Wirkstoffe, die mild beruhigen, angstlösend wirken und das Einschlafen fördern.

Historisches: Die Signatur der Blüte wurde früher mit dem Leidensweg von Jesus in Verbindung gebracht. Die drei Griffel stehen für die drei Nägel, die fünf Staubblätter, für die drei Wunden und die fädige Nebenkrone für die Dornenkrone. Daher rührt auch der Name Passiflora incarnata, was übersetzt "Fleisch gewordene Leidensblume" heißt (passio lat.: Leiden, flos lat.: Blüte und incarnatus lat.: verkörpert, Fleisch geworden).

Volksmedizinische Verwendung: Die ursprünglich aus Amerika und Indien stammende Passionsblume wurde erst im Laufe des 17. Jahrhundert nach Europa importiert, allerdings wegen ihrer außergewöhnlichen Schönheit und nicht wegen ihrer Wirkung als Heilmittel.

Mit wachsendem Bekanntheitsgrad in Europa wurde die Pflanze von Forschern untersucht und zum ersten Mal festgestellt, dass das Kraut bei Schlafstörungen hilft. Seit dem 19. Jahrhundert wird die Passionsblume als offizielles Heilmittel eingesetzt und bekam von den Kommissionen C und E positive Monographien. Dieser Zeit vorausgegangen haben die Azteken die Wurzel zur Heilung von Prellungen und Knochenbrüchen eingesetzt.

Passionsblume in der anthroposophischen Medizin: Die ausdrucksvolle Blüte der Passionsblume spricht für sich. Die starke Mitte der Blüte, die kräftig hervorsteht und von der ausgehend die Blüte in ihrer Schönheit erstrahlt, dient Menschen als Vorbild, die den Bezug zu ihrer eigenen Mitte verloren haben.

Die Blüte schafft Zentrierung und hilft den Menschen wieder zurück in ihre eigene Mitte zu kehren und in ihr Halt zu finden, in ihr zu ruhen. Die Nebenkrone mit den feinen Fäden wirkt wie eine Klangwelle ausgehend von der Mitte, die auffordert wieder auf die eigene, innere Stimme zu hören. Durch Rückkehr zu seinem inneren Ich, gesammelt in der Mitte, kann man wieder in seinem Lebenskreis tätig werden, erblühen und mit sich selbst zur Ruhe kommen.

Passiflora incarnata wird in der Anthroposophischen Medizin bei Menschen eingesetzt, die innerlich nicht zur Ruhe kommen können, unter Schlafstörungen oder überreizten Nerven leiden, alles ist einem zuviel.

Passionsblume bei Weleda: Die Passionsblume wird im Heilpflanzengarten in Wetzgau, der nach den Richtlinien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft bewirtschaftet wird, angebaut. Die Ernte erfolgt im Juli und August und wird direkt danach frisch in der Tinkturenherstellung verarbeitet.