Medizinischer Fachbereich

Wald-Erdbeere

Name: Fragaria vesca L.

Botanische Familie: Rosaceae – Rosengewächse

Gattung: Die Gattung Erdbeeren (Fragaria) umfasst ca. 20 Arten, hinzu kommen zahlreiche hybride Formen

Name: Der dreiteilige deutsche Name Walderdbeere verrät uns im ersten Wortteil etwas über den bevorzugten Standort, während der zweite Wortteil auf das horizontale, erdnahe Wachstum hindeutet. Der dritte Wortteil schließlich führt in die Irre, da es sich bei der Erdbeere botanisch betrachtet um keine Beere handelt.

Der lateinische Gattungsname „fragaria“ verweist auf den Duft der Pflanze, der Artname „vesca“ ist doppeldeutig: zum einen steht er für schwach, dürftig und beschreibt damit vermutlich die vergleichsweise kleinen Früchte, kann aber auch als „verzehrbar, essbar“ gedeutet werden. So erfahren wir bereits durch die Namensgebung Einiges über diese besondere Pflanze.

Heimat: gemäßigte Zonen Europas und Nordasiens.

Vorkommen: Am liebsten möchte die Walderdbeere beides: dunkle, feuchte und humusreiche Böden und gleichzeitig nach oben hin eine Öffnung gegenüber Sonnenlicht und -wärme. So findet man die heimische Wildpflanze, die nicht, wie häufig angenommen die Wildform unserer Gartenerdbeere ist, an Waldrändern, Lichtungen, generell an Stellen, die der Sonneneinwirkung geöffnet sind.

Beschreibung: Die mehrjährige Walderdbeere gehört zu den Pflanzen, die viele von uns seit Kindheitstagen an begleiten. Ihr harmonisches Zusammenspiel von Blatt, Blüte und Frucht verzückt und unterstreicht ihre Schönheit. Zusätzlich schenkt sie uns mit ihren süßen, aromatischen Früchten ein ganz besonderes Sinneserlebnis, das im Gedächtnis bleibt.

Im Gegensatz zu anderen Beerensträuchern bleibt sie in Erdnähe und breitet sich horizontal, dicht über der Erdoberfläche aus. Dabei ist sie nicht groß, gerade mal eine Höhe von 5-20 cm erreicht sie. In alle Richtungen erstrecken sich Ausläufer, an deren Knoten kleine Tochterpflänzchen entstehen. Verholzte Teile sucht man bei ihr vergebens. Ihre charakteristischen, dreilappigen Blätter sind am Rand fein gesägt, ihre klassische Rosaceen- Blüte ist weiß und fünfzählig.

Ihre Fruchtbildung jedoch ist außergewöhnlich: während es bei einer Beere im botanischen Sinn die Fruchtwand ist, die fleischig und saftig wird und die Samen im Inneren einschließt, schwillt bei der Walderdbeere nach der Blüte der Blütenboden an und bildet schließlich eine kleine, runde, saftige Scheinbeere. Dabei sitzen die eigentlichen Früchte, die kleinen Nüsschen, auf der Oberfläche der Scheinbeere. Botanisch gesehen handelt es sich daher um keine Beere, sondern um eine Sammelnussfrucht.

Für die Verbreitung und Vermehrung bedient sich die Walderdbeere verschiedener Mechanismen: Neben der oben erwähnten vegetativen Vermehrung über die Ausläufer, findet eine Verbreitung der Nüsschen auch über Endochorie statt: die roten aromatischen Scheinbeeren locken Vögel und andere Waldtiere an, die die Samen nach Verzehr der süßen Früchte wieder ausscheiden und so zur Verbreitung beitragen. Fruchtstände, die an der Pflanze verbleiben, vergehen, die Nüsschen fallen zu Boden und verbreiten sich ebenfalls.

Verwechslungsgefahr: Eine Verwechslung mit der indischen Scheinbeere ist möglich. Diese hat jedoch gelbe Blüten und die Früchte hängen nicht wie bei der Walderdbeere nach unten. Ihre Früchte sind zwar essbar, aber wenig schmackhaft und ihr Verzehr nicht zu empfehlen.

Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Früchte, Wurzel

Inhaltsstoffe:

Blätter: Gerbstoffe, Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, wenig äth. Öl, Vitamin C

Früchte: Polyphenole, Fruchtsäuren, Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin C, B-Vitamine, Eisen, Calcium, Kalium und Magnesium

Wurzel: Gerbstoffe, Flavonoide

Wirkung: Aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe wirken Blätter und auch Wurzel schwach adstringierend.

In vitro konnte ein wässriger Auszug aus Erdbeerblättern zu einer Gefäßerweiterung und Verbesserung des Koronarflusses führen.

Desweiteren besitzt die Walderdbeere antioxidative und schwach entzündungshemmende Eigenschaften. Auch eine leicht harntreibende Wirkung wird ihr zugeschrieben.

Kommission D: Die frischen, reifen Früchte werden gemäß der Monographie der Kommission D in der Homöopathie bei Nesselsucht eingesetzt.

Volksmedizinische Anwendungsgebiete: Blätter und auch Wurzel kommen bevorzugt als Teeaufguss zum Einsatz. Aufgrund ihrer leicht antidiarrhoischen Wirkung wird die Walderdbeere als sanfte Unterstützung bei z.B. Durchfällen oder weiteren Magen- Darm- Verstimmungen verwendet. Leichte Entzündungen im Mundbereich beruhigt sie als Gurgellösung. Die reifen Früchte helfen bei Blutarmut, wirken stoffwechselanregend und allgemein kräftigend.

Historisches: Man kann ihre Verwendung bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Bereits dort wurde die Walderdbeere als Nahrungsmittel geschätzt. Im Mittelalter wurde sie gar flächig angebaut, bis im 17./ 18. Jahrhundert aus Amerika großfruchtige Arten nach Europa kamen. Aus diesen Arten entwickelte sich die heutige Gartenerdbeere, deren Früchte zwar deutlich größer sind, jedoch die Süße und das Aroma der Walderdbeere nicht erreichen.

Auch Sebastian Kneipp erkannte die Heilpflanze in der Walderdbeere und empfahl sie zur Kräftigung bei kränkelnden Kindern.

Doch nicht nur als Nahrungsmittel und Heilpflanze war und ist die Walderdbeere beliebt; auch in Kunst und Literatur hat sie sich einen Platz verschafft. Gerade in der christlichen Kunst ist sie häufig als Begleiterin Marias zu sehen, Bescheidenheit und Demut symbolisierend. Die dreigeteilten Blätter können hier als Zeichen für die Dreieinigkeit im Christentum gedeutet werden.

In Stillleben wird sie gerne verwendet und spiegelt hier die Schönheit und Vergänglichkeit der Natur wider. In der Literatur findet man von sie in Märchen, aber auch in lyrischen Werken. Bis zum heutigen Tag ist die Walderdbeere noch in vielen Bereichen ein beliebtes Motiv. Sie hat nichts von ihrer Faszination eingebüßt..

Die Pflanze in der Anthroposophischen Medizin: Kräftig und vital wächst sie, horizontal, der Erde nah, legt ihre Erdverbundenheit nicht ab. Gleichzeitig öffnet sie sich gegenüber ihrer Umgebung, benötigt Licht und Wärme für ihr gesundes Wachstum. Die oberirdischen, luftigen Ausläufer scheinen zwischen Kosmos und Erde zu vermitteln. Und während andere Rosengewächse ihre Samen im Innersten verbergen, zeigen sich bei der Walderdbeere zentrifugale Gestaltungskräfte, wie wir sie von der Kieselsäure kennen, die bei der Fruchtbildung die kleinen Nüsschen von innen heraus bis an die Peripherie führen.

Auch ein besonderer Umgang der Walderdbeere mit dem Eisen lässt sich beobachten. Und sowohl Früchte, als auch Blätter kennzeichnet ein ausgeprägter Zuckerstoffwechsel, der sich wahrnehmbar in Süße und Aroma der Früchte zeigt. Überträgt man die Wesensmerkmale dieser Heilpflanze auf Prozesse des menschlichen Organismus, so zeigt sich ein Bezug zum bis in die Peripherie reichenden Blutkreislauf und damit auch zur Leber und ihrem Stoffwechsel.

Die Pflanze bei Weleda: Weleda verwendet sowohl die reifen Früchte, als auch die Blätter der Walderdbeere. Durch Kombination mit weiteren Wirkstoffen aus der Natur und durch spezielle Herstellprozesse, entstehen wertvolle Arzneimittel, die die Heilkräfte der Walderdbeere zugänglich machen.

Bildquelle: Bild von HHach auf Pixabay