Medizinischer Fachbereich

Meisterwurz

Name: Peucedanum ostruthium, Imperatoria ostruthium L.

Volkstümliche Namen: Ostrutwurz, Kaiserwurz, Sirenenwurz, Durstwurz, Stränze

Botanische Familie: Apiaceae (Doldenblütler)

Vorkommen: In den Bergen Mittel- und Nordeuropas ist sie anzutreffen, bevorzugt im Alpenraum, aber auch im Balkan, den Pyrenäen oder in Teilen Russlands. Meisterwurz liebt höhere Lagen, kommt selten unterhalb 1000 m vor. Meist findet man sie auf Höhenlagen zwischen 1200 und 2700 m.

Standort: Auf Gebirgswiesen und an Bachläufen kann man sie ebenso erblicken, wie in Geröllhalden, an schattigen Felsausläufern und dort, wo der Schnee noch zu finden ist, wenn ein paar Meter weiter die letzten Schneereste bereits getaut sind. Sie bevorzugt einen feuchten Standort, ohne zu starke Erwärmung. Als Gebirgspflanze ist sie empfänglich für Luft und Licht der hohen Lagen. Die äußeren Bedingungen im Gebirge ermöglichen der Meisterwurz ein kräftiges, gesundes Wachstum: dort oben, wo es länger dauert ehe Schneereste tauen und Tauwasser oder Regen verdunsten, wo auch eine Erwärmung nur langsam stattfindet, fühlt sie sich wohl. Die langanhaltende feuchte Kühle und damit verbundene kurze Vegetationszeit kommen der Pflanze entgegen.

Beschreibung: Vielleicht erkennt man sie nicht auf Anhieb, doch zu übersehen ist sie eigentlich nicht, die stattliche, ausdauernde Meisterwurz, die bis zu 1m hoch werden kann und meist in buschig wirkenden Gruppen in Erscheinung tritt. Und auch über andere Sinnesorgane ist sie wahrnehmbar; so geht von ihr ein würziger Duft aus, der manchen an Sellerie oder Engelwurz denken lässt. Besonders vom milchsaftführenden Wurzelstock geht ein intensiver Geruch aus. Sein Geschmack wird als kräftig-scharf und langanhaltend beschrieben. Die gestielten, dreilappigen Blätter scheinen die Sonnenstrahlen mit einer empfangenden Geste aufzunehmen. Sie sind von sattem Grün und weisen oberseitig einen besonderen Glanz auf. Vor allem im unteren Bereich wirkt das Blattwerk üppig und sorgt dafür, dass die Pflanze kühl und schattig in der Erde steht. Nach oben hin wird die Meisterwurz luftiger, der gerillte, hohle Stengel erhebt sich über die Blätter dem Licht entgegen. Den Abschluss bilden schwebende Doppeldolden, die aus zahlreichen weißen Einzelblüten bestehen.

Verwendete Pflanzenteile: Rhizom und seine Ausläufer.

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, ätherisches Öl (vor allem Terpene und Sesquiterpene), Gerbstoffe, Flavonoide, Furanocumarine, Harze, Pektin, Zucker, Stärke.

Wirkung: Meisterwurz regt die Verdauungstätigkeit an und wirkt magenstärkend.

Volksmedizinische Verwendung: Bereits ihr Name lässt erahnen, welche Heilkräfte sie in sich trägt und wie sehr sie geschätzt wird: Meisterwurz – die Meisterin aller Wurzeln, mancherorts auch Kaiserin der Bergwiesen genannt. Und auch wenn das alte Heilwissen mehr und mehr in Vergessenheit gerät, so hat die Meisterwurz dennoch, gerade in Bergregionen, als Heilpflanze ihren festen Platz. So wird Meisterwurz regional vielseitig eingesetzt z.B. bei Magenkrämpfen oder Magenverstimmung, als Dampfbad bei Bronchialkatarrh und zur Stärkung bei allgemeiner Schwäche.

Historisches: Als ursprünglich in der Alpenregion beheimatete Gebirgspflanze spielte die Meisterwurz in der Antike keine Rolle – den griechischen und römischen Ärzten war sie unbekannt. Nicht so im Mittelalter, hier hatte die Pflanze ihre Hochzeit und wurde als „Remedium divinum“ (göttliches Heilmittel) unter anderem von Paracelsus sehr geschätzt. Er empfahl sie vorbeugend gegen Pest und andere ansteckende Krankheiten und hielt große Stücke auf sie. Auch als Blutreinigungsmittel oder Antidot bei Vergiftungen wurde sie eingesetzt. Ob jedoch die heilkundige Hildegard von Bingen Meisterwurz meinte, wenn sie in ihrer Physika von „Astrenzia“ sprach, ist nicht eindeutig belegbar.

Wenn gleich auch der Stellenwert der Heilpflanze im Mittelalter vielleicht zu hoch war, so ist heute das Gegenteil der Fall und die Meisterwurz verdient als wertvolle Heilpflanze mehr Beachtung.

Meisterwurz in der Anthroposophischen Medizin: Allein schon durch ihren bevorzugten gebirgigen Standort zeigt die Meisterwurz einen besonderen Bezug zu den kosmischen Kräften.

Besonders ist die Fähigkeit der Pflanze sich mit den kosmischen Kräften und dem Aufeinandertreffen von Wasser, Erde, Luft und Licht auseinanderzusetzen. Die Entstehung von Bitterstoffen und Zuckern in der Wurzel zeugt von dieser Fähigkeit, wobei aus therapeutischer Sicht die Bitterstoffe den Ätherleib [die Lebens-Organisation] geneigt machen, den Astralleib [die Empfindungs- oder Seelen-Organisation] aufzunehmen, der Zucker hingegen die Ich-Organisation anspricht. Bitterstoffpflanzen, die zusätzlich Scharfstoffe enthalten, regen außerdem über die Ich-Organisation den Astralleib an.

So werden Wahrnehmungsprozesse im Gesamtorganismus angeregt und unterstützt.

Im unteren Menschen kann die abbauende Kraft des Astralleibes sich verstärkt in der Verdauung und der Auseinandersetzung mit Fremdem einbringen. Das Wahrnehmen und die Verwandlung von aufgenommener Nahrung in ganz individualisierte eigene Körpersubstanz wird angeregt und die Verdauungsprozesse werden unterstützt.

Meisterwurz bei Weleda: Meisterwurz wird im weledaeigenen Heilpflanzengarten, der nach den Richtlinien der biologisch- dynamischen Landwirtschaft bewirtschaftet wird, angebaut. Die Ernte der frischen, unterirdischen Teile erfolgt zwischen Januar und Mai. In der nahegelegenen Tinkturenherstellung wird aus der Wurzel ein ethanolisches Decoct hergestellt, welches als wertvoller Bestandteil in einem Arzneimittel bei Erkrankungen der Verdauungsorgane seine Wirkungen entfaltet.

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Peudecanum_ostruthium_002.JPG)